VDSt Marburg - Geschichte

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VDSt Marburg
Geschichte
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Gruppenbild Aktivitas VDSt Marburg von 1929
Gründung
Am 11. Mai 1886 gründeten neun Studenten unter dem Vorsitz von stud. phil. Th. Reichardt den VDSt Marburg. Die neu geschaffene Satzung des Vereins musste dem Rektor zur Genehmigung vorgelegt werden, welche nach einiger Zeit auch erteilt wurde. Der Bund errang in den folgenden Jahren eine geachtete Stellung in der - seinerzeit nur 1000 Personen umfassenden - Marburger Studentenschaft. Bereits auf der VT im Jahre 1895 wurde der VDSt Marburg erstmalig zum Vorort des Kyffhäuser-Verbandes gewählt. In den folgenden Jahren wurde besonders die korporative Grundeinstellung betont, die den Kneipen, dem Fechten (auf der VT 1897 wurde dem VDSt Marburg die Anschaffung schwerer Waffen gestattet) und dem Sport einen breiten Raum innerhalb des Bundeslebens einräumte. Ab 1901 konnten Veranstaltungen in dem bundeseigenen Kasino im „Fronhof“ abgehalten werden. Während der ersten drei Jahrzehnte seines Bestehens war das Wirken des Marburger Bundes durch die zielbewusste Mitarbeit an der inneren und äußeren Gestaltung des Kaiserreiches bestimmt. Diese politische Arbeit fand ihren Ausdruck in der Einrichtung ständiger staatswissenschaftlicher und sozialpolitischer Arbeitsgemeinschaften sowie in der Beteiligung und Förderung völkischer Einrichtungen wie dem Ostmarken-Verein, dem Deutschen Kolonialverein, dem Schulverein und dem Flottenverein. Eine Vielzahl öffentlicher Veranstaltungen und eine ständige Vortragstätigkeit gab dieser Arbeit eine weit über den Rahmen eines herkömmlichen Bundes hinausgehende Bedeutung.

Erster Weltkrieg
Richtfest Haus in der Lutherstraße 1929Der Erste Weltkrieg forderte auch unter den Marburger VDStern zahlreiche Opfer. In der problematischen Zeit der ersten Nachkriegsjahre erwies sich die bundesbrüderliche Gemeinschaft als unschätzbarer Wert. Mit 120 Mitgliedern konnte der Bund im Jahre 1919 erneut den Vorort übernehmen. Die Gründung des „Schwarzen Rings“ (Kyffhäuser-Verband, Sondershäuser Verband, Akademischer Turnbund), der Aufbau des Hochschulrings deutscher Art und die Errichtung der Grenzlandstiftung waren die herausragenden Ergebnisse der Verbandsarbeit dieses Jahres. Während der Märzunruhen 1920 zog der Bund mit dem Marburger Studentencorps nach Thüringen. Im gleichen Jahr konnte ein eigenes Haus in der Sybelstraße 10 bezogen werden. In den folgenden Jahren rückten mehr und mehr die Grenzlandförderung, Deutschtumsfragen und die Auseinandersetzungen mit den politischen Strömungen in der Weimarer Republik in den Vordergrund des politischen Lebens. Im Bundesleben errang die Leibesertüchtigung einen bevorzugten Platz. Zudem konnte unter großen finanziellen Opfern das heutige VDSt-Haus in der Lutherstraße 2 ½ erbaut und am 25. Mai 1929 eingeweiht werden.

Weimarer Republik / Zweiter Weltkrieg
Obwohl die Ideen des Nationalsozialismus schon in der Zeit vor der nationalsozialistischen Machtübernahme Eingang in die Aktivitas und Altherrenschaft gefunden hatten, konnte dem Bund seine traditionsbewusste Eigenständigkeit nur allmählich unter dem Zwang der allgemeinen Entwicklung an den deutschen Hochschulen streitig gemacht werden. Während des Zweiten Weltkrieges blieb der Altherrenbund – auch ohne eine Aktivitas als Kristallisationspunkt – ein fest gefügter Freundschaftsbund.

Nachkriegszeit
Am 28. Juni 1949 wurde der aktive Bund unter dem Namen „Freie Akademische Vereinigung ,Die Staufer'“ neu gegründet. Er bestand ausschließlich aus Kriegsteilnehmern, denen das eigene Erleben des geistigen und materiellen Chaos des Zusammenbruchs als Grundlage diente, die für die Zukunft des Bundes entscheidenden Beschlüsse nach bestem Wissen und Gewissen anzugehen. Unter diesen Vorzeichen konnte der Bund schon auf der VT 1951 einen fest umrissenen Standpunkt vertreten, der auf dem Grundsatz der politischen Betätigung im Bund und als Bund basierte. Zudem bekannte sich der VDSt Marburg zu dem Wahlspruch „Mit Gott für Volk und Vaterland!“ und zu den Farben Schwarz-Weiß-Rot. Nach langwierigen Verhandlungen konnte das Haus in der Lutherstraße auf der Maikneipe 1952 als erstes Verbindungshaus Marburgs wieder feierlich in Besitz genommen werden. Im gleichen Semester fand die Königsberger Altherrenschaft im Marburger Bund eine „stellvertretende Aktivitas“ bis in Mainz ein eigener Bund ins Leben gerufen werden konnte. Mit einer starken Aktivitas gerüstet, übernahm der VDSt Marburg in den Jahren 1953/54 und 1960/61 für jeweils ein Jahr den Vorort des Verbandes. In der Studentenschaft mit ihren zum Teil scharfen Gegensätzen hatte sich der Bund bald eine respektierte Mittelposition erarbeitet.

Siebziger Jahre bis heute
Während die Jahre bis Anfang der Siebziger zufrieden stellend verliefen, führten zahlreiche Schwierigkeiten zu einer Suspendierung des aktiven Bundes im Jahre 1978. Doch bereits im Frühjahr 1979 konnte eine neue, hoffnungsvolle Aktivitas gebildet werden. Anfang der Achtziger ließ der Heimverein das mit lediglich vier Aktivenzimmern ausgestattete und damit unrentabel gewordene Haus umbauen. Seither verfügen die Räumlichkeiten des VDSt Marburg über dreizehn Wohneinheiten, von denen neun mit einem eigenen Bad ausgestattet sind. Auch der Kneipsaal wurde neu gestaltet und um eine gemütliche Bar erweitert. Unter diesen Vorzeichen konnte das 100. Stiftungsfest - nicht zuletzt durch das Engagement der beteiligten Bundesbrüder - als eine denkwürdige Veranstaltung in die Geschichte des Bundes eingehen. Auf der 110. VT in Münster wurde der VDSt Marburg für das Amtsjahr 1991/92 ein weiteres Mal zum Vorort gewählt. Der Marburger Bund erfreut sich weiterhin eines regen Lebens, das vor allem durch facettenreiche Vorträge, politisches Interesse, gemeinsame Unternehmungen und natürlich durch die Pflege des korporationsstudentischen Brauchtums geprägt ist. Dies konnte mit dem gut besuchten 120. Stiftungsfest im Jahre 2006 erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden.