- Das war der Zwerg Perkeo
im Heidelberger Schloß, an Wuchse klein und winzig, an Durste riesengroß. Man schalt ihn einen Narren, er dachte: "Liebe Leut, |: wart ihr wie ich doch alle feucht-fröhlich und gescheut!" :|
- Und als das Faß, das große,
mit Wein bestellet war, da ward sein künftger Standpunkt dem Zwerge vollig klar. "Fahr wohl", sprach er, "o Welt, du Katzenjammertal, |: was sie auf dir hantieren, ist wurst mir und egal. :|
- Um lederne Ideen
rauft man manch heißen Kampf, es ist im Grund doch alles nur Nebel, Rauch und Dampf! Die Wahrheit liegt im Weine. Beim Weinschlürf sonder End |: erklär ich alter Narre fortan mich permanent." :|
- Perkeo stieg zum Keller;
er kam nicht mehr herfür und sog bei fünfzehn Jahre am rhein'schen Malvasier. War's drunten auch stichdunkel, ihm strahlte inneres Licht, |: und wankten auch die Beine, er trank und murrte nicht. :|
- Als er zum Faß gestiegen,
stand's wohlgefüllt und schwer, doch als er kam zu sterben, klang's ausgesaugt und leer. Da sprach er fromm: "Nun preiset, ihr Leute, des Herren Macht, |: die in mir schwachem Knirpse so Starkes hat vollbracht. :|
- Wie es dem kleinen David
gegen Goliath einst gelang, also ich arm Gezwerge den Riesen Durst bezwang. Nun singt ein de profundis, daß das Gewölb erdröhnt, |: das Faß steht auf der Neige, ich falle sieggekrönt. :|
- Perkeo ward begraben -
um seine Kellergruft beim leeren Riesenfasse weht heut noch feuchte Luft. Und wer als frommer Pilger frühmorgens ihr genaht: |: Weh ihm! Als Weinvertilger durchtobt er nachts die Stadt! :|
Josef Viktor v. Scheffel, 1847; Weise: Stephan Gruwe, 1861
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