Üb' immer Treu und Redlichkeit

Üb' immer Treu und Redlichkeit

Geschrieben von: Ludwig Hölty; Weise: W. A. Mozart    PDF
  1. Üb' immer Treu und Redlichkeit
    bis an dein kühles Grab,
    und weiche keinen Finger breit
    von Gottes Wegen ab.

  2. Dann wirst du wie auf grünen Au'n,
    durch's Pilgerleben geh'n
    dann kannst du sonder Furcht und Grau'n
    dem Tod ins Antlitz seh'n.

  3. Dann wird die Sichel und der Pflug
    in deiner Hand so leicht,
    dann singest du beim Wasserkrug,
    als wär' dir Wein gereicht.

  4. Dem Bösewicht wird alles schwer,
    er tue was er tu,
    ihm gönnt der Tag nicht Freude mehr,
    die Nacht ihm keine Ruh.

  5. Der schöne Frühling lacht ihm nicht,
    ihm lacht kein Ährenfeld,
    er ist auf Lug und Trug erpicht,
    und wünscht sich nichts als Geld.

  6. Der Wind im Hain, das Laub im Baum
    saust ihm Entsetzen zu,
    er findet, nach des Lebens Raum
    im Grabe keine Ruh.

  7. Drum übe Treu und Redlichkeit
    bis an dein kühles Grab,
    und weiche keinen Finger breit
    von Gottes Wegen ab!

  8. Dann suchen Enkel deine Gruft
    und weinen Tränen drauf,
    und Sonnenblumen, voll von Duft,
    blüh'n aus den Tränen auf.

Ludwig Hölty; Weise: W. A. Mozart