Sängerleben

Sängerleben

Geschrieben von: Melodie: Iper; Text: Th. Körner    PDF
  1. Gar fröhlich tret ich in die Welt
    und grüß den lichten Tag;
    mit Sang und Liedern reich bestellt,
    sagt, was mir fehlen mag!
    Viel Menschen schleichen matt und träg
    ins kalte Grab hinein,
    doch fröhlich geht des Sängers Weg
    durch lauter Frühlingsschein.

  2. Natur, wie ist es doch so schön!
    An deiner treuen Brust
    lieg ich auf deinen Zauberhöhn
    in stiller Liebeslust.
    Da wogt es tief und wunderbar,
    weiß nicht, wo ein, wo aus;
    doch endlich wird das Treiben klar
    und tobt in Liedern aus.

  3. Mit Liedestönen wach ich auf,
    sie quellen sanft heran,
    die Sonne hoch am Himmel ’rauf
    trifft mich beim Singen an.
    Nicht rast ich, wenn der Tag verglüht,
    greif in die Saiten ein
    und grüße noch mit stillem Lied
    des Abends Dämmerschein.

  4. Und langsam steigt die Nacht herauf
    aus tiefer Bergeskluft,
    da wacht mein Lied zum Himmel auf
    in klarer Sternenluft,
    bis sich in bunter Träume Reihn
    vergnügt des Sängers Blick;
    doch denk ich träumend auch allein
    an Sang und Dichterglück.

  5. Und wo ich wandre, hier und dort,
    da duldet man mich gern;
    wohl mancher sagt ein freundlich Wort,
    doch immer muß ich fern;
    denn weiter treibt’s mich in die Welt,
    mich drückt das enge Haus,
    und wenn der Gott im Busen schwellt,
    muß ich ins Freie ’raus.

  6. Und frisch hinaus und frisch hinein,
    durch Lebens Nacht und Tag,
    auf daß mich Freiheit, Lieb und Wein
    gar treu begleiten mag;
    ein freier Sinn in Lust und Weh
    schwelgt gern in Sang und Reim,
    und sag ich einst der Welt Ade,
    zieh ich in Liedern heim.