Der Geist von anno elf

Der Geist von anno elf

Geschrieben von: Melodie: H. Keyl; Text: Friedrich Geßler    PDF
  1. Beim Lindenwirt im Keller ruht
    ein großes Faß voll Traubenblut,
    |: gekeltert anno elf; :|
    und in dem staubgen Fasse kreist
    dem Lindenwirt sein böser Geist,
    |: der Geist von anno elf. :|

  2. Der Lindenwirt, nach Schenkenbrauch,
    trägt einen wohlgenährten Bauch,
    |: ein Näslein rosigrot; :|
    und manchmal hat er’s ausgeschwatzt,
    daß ihm das Näslein rot gekratzt
    |: der Geist von anno elf. :|

  3. Wenn nachts der Zeiger zwölf erreicht,
    mit einem großen Kruge schleicht
    |: der dicke Lindenwirt :|
    hinab zum Keller, wo er still
    und unbeschrieen fangen will
    |: den Geist von anno elf. :|

  4. Am Fasse klopft er dreimal an
    und öffnet leise dann den Hahn
    |: und füllt den Krug und trinkt :|
    fünfmal; da schießt der Geist hervor
    und wirft den Lindenwirt aufs Ohr,
    |: der Geist von anno elf. :|

  5. Da liegt er schnarchend, bis ihn früh
    der Hausknecht polternd und mit Müh
    |: wohl aus dem Keller schleppt, :|
    dann fängt er laut zu schelten an:
    das hat der Geist mir angethan,
    |: der Geist von anno elf. :|

  6. So trieb er’s schon seit Jahr und Tag.
    An einem schönen Morgen lag
    |: der dicke Lindenwirt :|
    im Keller tot, das Faß war leer,
    kein Mensch im Hause spürte mehr
    |: den Geist von anno elf. :|