Mondnacht in Heidelberg

Mondnacht in Heidelberg

Geschrieben von: Weise: Heinr. Hofmann, 1895; Worte: G. H. Schneideck    PDF
  1. Auf leisen Schwingen naht die Nacht,
    es dämmert rings, in lichter Pracht
    hellauf am weiten Firmament
    der Sterne Demantlicht entbrennt.
    Da treibt es mich, zum Berg hinan
    mit mir allein zu steigen,
    bald nimmt mich auf der dunkle Tann
    |: mit seinen dichten Zweigen. :|

  2. Von grünem Epheulaub umwebt,
    im bleichen Mondenlicht erhebt
    gespenstisch sich im Nebelgrau
    der Schloßruine stolzer Bau;
    wehklagend spielt der Abendwind
    durch die zerfallnen Räume,
    es weckt sein Rauschen zauberlind
    |: vergessne alte Träume. :|

  3. Tief unten an den Berg geschmiegt
    das traute Städtchen freundlich liegt,
    Glühwürmchen gleich mit buntem Strahl
    huscht Lichterglanz hin durch das Thal.
    Kühn spannt die Brücke übern Fluß
    die dunklen weiten Bogen
    und bricht mit ihrem starken Fuß
    |: des Neckars rasche Wogen. :|

  4. Ein Schifflein fährt am Ufer lang,
    draus tönt Musik und Becherklang,
    Buntfeuer wirft die rote Glut
    weit durch die silberhelle Flut. -
    Rings rührt und regt sich’s weit und breit,
    wie jungen Lenzes Weben:
    Altheidelberg, o Seligkeit,
    |: in dir als Bursch zu leben! :|