Lob des Weins |
| Geschrieben von: Weise: J. Fr. Knapp; Worte: Friedr. v. Hardenberg gen. Novalis, 1801 |  |
|
- Auf grünen Bergen ward geboren
der Gott, der uns den Himmel bringt; |: die Sonne hat ihn sich erkoren, daß sie mit Flammen ihn durchdringt, :| daß sie mit Flammen ihn durchdringt!
- Er wird im Lenz mit Lust empfangen,
der zarte Schoß quillt still empor, |: und wenn des Herbstes Früchte prangen, springt auch das goldne Kind hervor, :| springt auch das goldne Kind hervor.
- Sie legen ihn in enge Wiegen,
ins unterirdische Geschoß, er träumt von Festen und von Siegen und baut sich manches luftge Schloß.
- Es nahe keiner seiner Kammer,
wenn er sich ungeduldig drängt, und jedes Band und jede Klammer mit jugendlichen Kräften sprengt.
- Denn unsichtbare Wächter stellen,
so lang er träumt, sich um ihn her, und wer betritt die heilgen Schwellen, den trifft ihr lustumwundner Speer.
- Sowie die Schwingen sich entfalten,
läßt er die lichten Augen sehn, läßt ruhig seine Priester schalten, und kommt herauf, wenn sie ihm flehn.
- Aus seiner Wiege dunklem Schoße
erscheint er im Krystallgewand; verschwiegner Eintracht volle Rose trägt er bedeutend in der Hand.
- Und überall um ihn versammeln
sich seine Jünger hocherfreut, und tausend frohe Zungen stammeln ihm ihre Lieb und Dankbarkeit.
- Er spritzt in ungezählten Strahlen
sein innres Leben in die Welt; die Liebe nippt aus seinen Schalen und bleibt ihm ewig zugesellt.
- Er nahm als Geist der goldnen Zeiten
von jeher sich des Dichters an, der immer seine Lieblichkeiten in trunknen Liedern aufgethan.
- Er gab ihm, seine Treu zu ehren,
ein Recht auf jeden hübschen Mund, und daß es keine darf ihm wehren, macht Gott durch ihn es allen kund.
|