Rheinsage

Rheinsage

Geschrieben von: Weise: "Es war einmal ein König"; Worte: E. Geibel, 1834    PDF
  1. Am Rhein, am grünen Rheine, da ist so mild die Nacht,
    die Rebenhügel liegen in goldner Mondenpracht;
    und an den Hügeln wandelt ein hoher Schatten her,
    mit Schwert und Purpurmantel, die Krone von Golde schwer.

  2. Das ist der Karl, der Kaiser, der mit gewaltger Hand
    vor vielen hundert Jahren geherrscht im deutschen Land.
    Er ist heraufgestiegen zu Aachen aus der Gruft,
    und segnet seine Reben und atmet Traubenduft.

  3. Bei Rüdesheim da funkelt der Mond ins Wasser hinein
    und baut eine goldne Brücke wohl über den grünen Rhein;
    der Kaiser geht hinüber und schreitet langsam fort
    und segnet längs dem Strome die Reben an jedem Ort.

  4. Dann kehrt er heim nach Aachen und schläft in seiner Gruft,
    bis ihn im neuen Jahre erweckt der Trauben Duft.
    Wir aber füllen die Römer und trinken im goldnen Saft
    uns deutsches Heldenfeuer und deutsche Heldenkraft.