Die Eichen |
| Geschrieben von: Th. Körner, 1810 |  |
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- Abend wird’s, des Tages Stimmen schweigen,
röter strahlt der Sonne letztes Glühn; und hier sitz ich unter euren Zweigen, und das Herz ist mir so voll, so kühn! Alter Zeiten alte treue Zeugen, schmückt euch doch des Lebens frisches Grün, und der Vorwelt kräftige Gestalten sind uns noch in eurer Pracht erhalten.
- Viel des Edlen hat die Zeit zertrümmert,
viel des Schönen starb den frühen Tod; durch die reichen Blätterkränze schimmert seinen Abschied dort das Abendrot. Doch, um das Verhängnis unbekümmert, hat vergebens euch die Zeit bedroht, und es ruft mir aus dem Zweige Wehen: alles Große muß im Tod bestehen.
- Und ihr habt bestanden! Unter allen
grünt ihr frisch und kühn mit starkem Mut. Wohl kein Pilger wird vorüber wallen, der in eurem Schatten nicht geruht. Und wenn herbstlich eure Blätter fallen, tot auch sind sie euch ein köstlich Gut; denn verwesend werden eure Kinder eurer nächsten Frühlingspracht Begründer.
- Schönes Bild von alter deutscher Treue,
wie sie bessre Zeiten angeschaut, wo in freudig kühner Todesweihe Bürger ihre Staaten festgebaut. Ach, was hilft’s, daß ich den Schmerz erneue? sind doch alle diesem Schmerz vertraut! Deutsches Volk, du herrlichstes von allen, deine Eichen stehn, du bist gefallen!
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