Das alte Liederbuch

Das alte Liederbuch

Geschrieben von: Text: Otto Roquette; Melodie: Wohlauf, die Luft geht frisch und rein    PDF
  1. Ein Büchlein nehm ich oft zur Hand,
    Zerlesen und zersungen,
    Draus ist in vieles ferne Land
    Manch frohes Lied erklungen.
    Die Lieder stehn noch alle drin
    Wo sie voreinst gestanden
    Und klingen hell und ziehn mich hin
    Nach jenen teuern Landen.

  2. Zu Heidelberg am Neckarfluß
    Da stehn viel Berg’ und Hügel,
    Da klangen frisch aus einem Guß
    Die Lieder ohne Zügel.
    Zu Heidelberg im Neckarthal –
    O goldne Jugendwonnen!
    Da rauschten Wellen ohne Zahl
    Im frischen Lebensbronnen!

  3. Da loderten im heißen Drang
    Der Jugend helle Flammen
    Und alle Kraft und Liebe klang
    In einem Ton zusammmen.
    Das war die übersel’ge Zeit!
    Wer kann das Glück ermessen?
    Sind die Freunde auch noch so weit,
    Ward keiner doch vergessen.
  4. Ja, alle, fröhlich einst vereint,
    Sind voneinander gangen,
    Es ward beim Abschied nicht geweint,
    Wir sahn uns an und – sangen.
    Jedweder zog dann weit hinaus,
    Daß er sein Glück versuche;
    Das Wanderlied von ein und aus
    Steht auch in diesem Buche.

  5. Schlag’ ich das Büchlein wieder auf,
    Mir wird halb weh, halb wonnig,
    Es klingt um mich, es klingt hinauf
    Zum Himmel blau und sonnig.
    Und alles hat sich neu gesellt,
    Und blühen will’s und sprossen,
    Als hielte ich die ganze Welt
    Im kleinen Buch umschlossen!