Politik für die soziale Gerechtigkeit
Politik für die soziale Gerechtigkeit |
| Geschrieben von: Marc Zirlewagen, VDSt Freiburg Mittwoch, den 10. März 2010 um 19:08 Uhr |
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Zum 150. Geburtstag von Friedrich Naumann Der 25. März 2010 wird ein besonderer Tag des politischen Deutschlands. An diesem Tag gilt es Friedrich Naumanns 150. Geburtstag zu begehen. Auch die VDSter blicken dann auf das Leben eines Mannes zurück, der sich für nationale, soziale, christliche und liberale Ideen einsetzte.
Theologiestudent in Leipzig und Erlangen Der am 25. März 1860 in Störmthal bei Leipzig geborene Pfarrersohn besuchte vom Frühjahr 1874 bis Ostern 1876 die Nicolaischule in Leipzig und bis Ostern 1879 die Fürstenschule in Meißen. Von der Militärpflicht wurde er wegen Asthmas entbunden. Er studierte anschließend ab dem SS 1879 evangelische Theologie in Leipzig. Dort wurde er Mitglied des Theologischen Studentenvereins, dessen Vorsitzender er im SS 1881 war. Zum WS 1881/82 wechselte er nach Erlangen. Ab dem WS 1882/83 studierte er wieder in Leipzig. Im März 1883 bestand er das Erste Theologische Examen.
Mitbegründer und Polarisierer im VDSt 1881 war er Mitbegründer des Vereins Deutscher Studenten zu Leipzig und Redner auf dem 1. Kyffhäuserfest. Im WS 1881/82 war er Mitbegründer des VDSt Erlangen. 1897 kam es zum 1. Naumannstreit im Kyffhäuser-Verband. Der Verband wandte sich mehrheitlich dagegen, dass Naumanns National-sozialer Verein die „Fortsetzung des akademischen Kyffhäuserverbandes im bürgerlichen Leben“ sei. Unter anderem Naumanns Eintreten für die Einbindung der Sozialdemokratie in die nationale Politik führte 1906 zum zweiten Naumannstreit im Kyffhäuser-Verband. Um diesen nicht zu spalten, trat Naumann im September 1906 schließlich aus den AH-Bünden Leipzig und Erlangen und damit aus dem Verband aus.
Geistlicher und Stoeckerianer
Ab Sommer 1883 war er Oberhelfer im Rauhen Haus bei Hamburg. Im Oktober 1885 bestand er sein Zweites Theologisches Examen. Nach einigen Monaten im Leipziger Predigerseminar war er vom Mai 1886 bis 1890 Pfarrer in Langenberg bei Glauchau. Ab Juni 1890 war er Vereinsgeistlicher für Innere Mission in Frankfurt a. M. Dort gründete er 1891 einen evangelischen Arbeiterverein. Ab 1894 trat er als Vereinsgeistlicher in den Dienst der südwestdeutschen Konferenz für Innere Mission. Als Inhaber des Buchverlags der „Hilfe“ war er ab Dezember 1894 bis zu seinem Tod Herausgeber der Zeitschrift „Die Hilfe“. 1896/97 gab er die Tageszeitung „Die Zeit“ heraus. Naumann lernte 1881 im VDSt Adolf Stoecker kennen, mit dem er im Evangelisch-sozialen Kongress ab 1890 zusammenarbeitete. Dort war Naumann Führer des linken Flügels. Er trat für den Schutz der Arbeiter vor kapitalistischer Ausbeutung und die Verbesserung ihrer sozialen Lage unter christlich-konservativen und patriotisch-nationalen Zielen ein. Wegen Adolf Stoeckers ausschließlich religiöser und reformfeindlicher Stellung wandte sich Naumann 1896 von diesem ab und forderte eine Erneuerung des Protestantismus sowie ein „soziales Kaisertum“. Im Interesse von nationaler Stärkung nach innen (Integration der Arbeiter in den imperialistischen Staat) und der Machterweiterung nach außen hätte dieses politische und soziale Reformen (Demokratisierung) einleiten sollen. Später forderte er schließlich den Übergang zu einem parlamentarischen Regierungssystem.
National-sozialer und liberaler Politiker Hauptantriebsfeder Naumanns war seine Idee vom modernen Sozialliberalismus. Aus christlicher Verantwortung trat er für soziale Gerechtigkeit ein. Um diese zu erreichen warb er für den Ausgleich von Liberalismus und Sozialismus. Seinen Weg ohne Stoecker setzte er 1896 als Gründer des National-sozialen Vereins fort. Dessen Vorsitzender war er 1896 bis 1903. Er gab Mitte 1897 den Beruf des Geistlichen auf und wurde Schriftsteller und Sozialpolitiker. Im Sommer 1903 ernannte ihn die theologische Fakultät der Universität Heidelberg zum Ehrendoktor. 1907 war er Mitbegründer des Werkbundes. 1898 und 1903 kandidierte er erfolglos für den Reichstag. Nach dieser erneuten Wahlniederlage löste er den National-sozialen Verein auf und trat in den geschäftsführenden Ausschuss des Wahlvereins der linksliberalen Freisinnigen Vereinigung ein. 1910 wurde er nach der Vereinigung der linksliberalen Parteien Ausschussmitglied der Deutschen Fortschrittlichen Volkspartei. Vom Januar 1907 bis zum Januar 1912 war Mitglied des Reichstags. 1912 wurde er nicht wieder gewählt. Vom 19. Juni 1913 (Nachwahl) bis zum November 1918 saß er wieder im Reichstag. 1917 gründete er die Staatsbürgerschule. Nach Kriegsausbruch 1914 trat er für einen inneren Burgfrieden ein, distanzierte sich aber von den expansionistischen deutschen Kriegszielen. 1915 sprach er sich für einen Verständigungsfrieden aus. Später trat er für eine mitteleuropäische imperialistisch-föderalistische Wirtschaftsgemeinschaft der europäischen Kernländer ein. 1917/18 gehörte er dem Interfraktionellen Ausschuss an. Im November 1918 war er Mitgründer der Deutschen Demokratischen Partei. Er saß 1918/19 in deren Provisorischem Hauptvorstand und war ab Juli 1919 deren Vorsitzender. Für diese war er von Januar 1919 bis zu seinem Tod Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Dort engagierte er sich unter anderem gegen eine Unterzeichnung des Versailler Vertrages. Naumann starb am 24. August 1919 an den Folgen eines Schlaganfalls in Travemünde. Sein ehemaliger Weggefährte Theodor Heuss ehrte sein Wirken 1958 mit der Gründung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung.
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