„Der Krieg ist doch etwas Scheußliches“

„Der Krieg ist doch etwas Scheußliches“

Samstag, den 31. Oktober 2009 um 00:00 Uhr   

DAS Nr. 13: „Der Krieg ist doch etwa Scheußliches“VVDSt veröffentlicht Westfront-Kriegsbriefe (1914–1918).
Die Kriegsbriefe des Studenten Hermann Reinhold von der Westfront 1914–1918 hat der VVDSt veröffentlicht. Damit leistet er einen weiteren Beitrag zur Aufarbeitung der Verbandsgeschichte.

Die Briefe zeigen Reinholds Weg von seiner Einberufung im August 1914 bis zur Entlassung aus dem Heeresdienst im November 1918. Er stand an einigen Brennpunkten der Westfront wie der Schlacht in Lothringen 1914, der Sommeschlacht 1916, der Dritten Flandernschlacht 1917 und der „Großen Schlacht in Frankreich“ 1918. Abseits von Trommelfeuer und Sturmangriffen erfährt der Leser viel über die Langeweile des Dienstes im Schützengraben, von der Hoffnung auf militärische Karriere, von Lazarettaufenthalten, vom ungeliebten Garnisonsdienst und vieles mehr vom Kriegsalltag.

Wie wichtig Feldpostbriefe für die Forschung sind, zeigt die Bilanz eines aktuellen Projekts der Universität Frankfurt a. M. Danach haben Feldpostbriefe verstärkt die Aufmerksamkeit von Historikern geweckt. Die Wissenschaft orientiere sich dabei insbesondere an sozial- und mentalitätsgeschichtlichen Überlegungen. Die wenigen erhaltenen der geschätzten 28 Milliarden Feldpost-Briefsendungen des Ersten Weltkrieges stellten dabei „weniger eine Quelle dar, aus der Informationen über aktuelle politische und militärische Ereignisse gewonnen werden können, als vielmehr Einblicke in die Lebenssituation und die subjektive Kriegswahrnehmung.“ Dies gilt auch für Reinholds Schilderungen.

Als Quelle nehmen sie in der Geschichtsschreibung der Vereine Deutscher Studenten eine besondere Stellung ein: Da Reinhold erst nach Kriegsende in den VDSt Halle-Wittenberg eintrat, bieten sie die wohl einmalige Gelegenheit aus seinen Briefen die Erlebnisse und Gedanken zu entnehmen, die zahlreiche Studenten seiner Generation dazu veranlassten nach Kriegsende in die Vereine Deutscher Studenten einzutreten. Diese „Kriegsteilnehmergeneration“ prägte in den Anfangsjahren der Weimarer Republik wesentlich die politische Haltung der deutschen Studentenschaft und auch des Kyffhäuser-Verbandes der Vereine Deutscher Studenten.

Zirlewagen, Marc (Hg.): „Der Krieg ist doch etwas Scheußliches.“ Die Kriegsbriefe des Studenten Hermann Reinhold (1893–1940) von der Westfront 1914–1918, Pressburg 2009 (Deutsche Akademische Schriften, Neue Folge, Nr. 13), 140 Seiten, ISBN 978-3-929953-10-7, 10 Euro

 


Prof. Dr. Hermann Reinhold (AH VDSt Halle-Wittenberg, aoAH VDSt Gießen)
Der Pfarrersohn wurde 1893 in Lieberhausen geboren. Er war 1913/14 Einjährig-Freiwilliger. Im SS 1914 studierte er in Halle Chemie, Physik und Mineralogie. 1914–1918 nahm er als Reserveoffizier im 19. IR am Ersten Weltkrieg teil. Im Zwischensemester 1919 trat er dem VDSt Halle-Wittenberg bei. 1920 kommandierte er die Hallenser VDSter im Kapp-Putsch. 1922 promovierte er. 1928 habilitierte er sich. 1934 wurde er ao Professor für Physikalische Chemie in Halle. 1936 wurde er ordentlicher Professor in Gießen. Ab 1939 diente er als Hauptmann d. R. in der Wehrmacht. Er starb 1940 an den Folgen einer Tumoroperation in Aschaffenburg.