„Freiheit, die wir meinen“

„Freiheit, die wir meinen“

Donnerstag, den 14. Mai 2009 um 02:00 Uhr   

DAS Nr. 11: "Freiheit, die wir meinen"Die Vereine Deutscher Studenten sind freiheitsliebende Organisationen. „In Verantwortung vor Gott sollen ihre Mitglieder in Staat und Gesellschaft eintreten für eine demokratische Grundordnung, für Recht und Freiheit in allen Bereichen des staatlichen, politischen und gesellschaftlichen Lebens des deutschen Volkes.“ So definiert die Satzung ihres Verbandes eines ihrer Ziele.

Nun ist es mit der Freiheit kein ganz einfaches Geschäft. Als Begriff schon auslegungsbedürftig, bedarf sie immer semantischer Zusätze, um verstanden zu werden. Wer ist frei? Von oder zu was? Und wie verträgt sich diese Freiheit mit den Freiheiten anderer?

Den möglichen Fragen auf diese Antworten haben in einem Essay-Band, der unter dem Titel „Freiheit, die wir meinen“ nun im Rahmen der Reihe „Deutsche Akademische Schriften“ durch den VVDSt herausgegeben wird, sieben VDSter aus verschiedenen Fachrichtungen und Generationen nachgespürt. Diese sieben sind:

  • Dr. Gerulf Stix, Alter Herr des VDSt Innsbruck, weist in seinem Beitrag nachdrücklich darauf hin, dass Freiheit niemals losgelöst von den Friktionen des realen Lebens gesehen werden kann: von Bezugssystemen, Zwängen und auch Gruppenbindungen.
  • Dr. Hanns Arnulf Engels, Alter Herr des VDSt zu Köln, befasst sich mit einer dieser Friktionen eingehender: der grassierenden Arbeitslosigkeit in Deutschland und den möglichen Reaktionen darauf. Antworten findet er mit einem Blick auf unsere nördlichen Nachbarn.
  • Professor Jürgen Ackermann, Alter Herr des VDSt Darmstadt-Köthen, analysiert die Rolle der Freiheit im modernen demokratischen Staatssystem. Nicht so sehr als politische Freiheit, also als Partizipation am Staat selbst. Sondern als Staatsziel, das in Konkurrenz zu anderen steht.
  • Joachim Koch, Alter Herr des VDSt Münster, erforscht die Rolle individueller Entscheidungsfreiheit in einem sehr sensiblen Grenzbereich: dem Patientenwillen am Lebensende. Er untermauert sein eindrucksvolles Plädoyer für die Freiheit mit Erfahrungen aus dem eigenen Leben. Bastian Behrens, Alter Herr des VDSt zu Bremen, betrachtet die Freiheit aus Sicht des postmodernen Menschen mit immer komplexer und heterogener werdenden Lebensentwürfen. Freiheit wird hier zu einer Menge von Freiheiten in vielen kleinteiligen Einzelbereichen.
  • Christian Roth vom VDSt Karlsruhe, geht es um die Geschichte vorwiegend des deutschen Liberalismus der letzten zweihundert Jahre und die Schlussfolgerungen aus den zahlreichen Wechselfällen dieser Zeit. Und darum, ob der Liberalismus das Ende seiner Entwicklung erreicht hat.
  • Christian Kropfitsch schließlich, vom VDSt Graz, befasst sich mit dem Verhältnis von Freiheit und Kultur und der Rolle, die beide in einem VDSt spielen sollten. Sein Essay, konkret und sehr selbstreferentiell, steht in dem Band anstelle eines zusammenfassenden Nachwortes.

In den wechselnden Sichtweisen dürfte für den Leser ein Hauptreiz dieses Essay-Bandes liegen. Es geht hier weniger um blanke Wissensvermittlung; die ist in Lehrbüchern besser aufgehoben. Die Beiträge laden vielmehr zur Diskussion, auch zum Widerspruch ein. Sie machen vor allem eins deutlich: Schwarz und Weiß gibt es auch in Dingen der Freiheit nicht. Und in den Grauzonen sind viele verschiedene Meinungen möglich.

Freiheit, die wir meinen – Überlegungen zur Gestaltung freiheitlicher Ordnungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, Pressburg 2008 (Deutsche Akademische Schriften, Neue Folge, Nr. 11), 100 Seiten, ISBN: 978-3-929953-08-4, 10 Euro